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Die Gründungsjahre des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr sind von einer Turbulenz gekennzeichnet, die für die Entwicklung der damals noch in den Kinderschuhen steckenden Gruppe nicht gerade förderlich waren. So gab es verschiedene Anläufe, innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr eine Musikkapelle zu gründen. Dies war aber schon deshalb besonders schwierig, weil es bereits zwei Musikgruppen in Allendorn gab: die Gymnasial- und die Viegener'sche Kapelle. Aus dem Jahre 1886 existiert bereits ein Mitgliederverzeichnis der Musikkapelle, bestehend aus den Musikern Eberhard Viegener, Wilhelm Keimer, Josef Viegener, Heinrich Viegener, Carl Viegener, Rudolf Bieker, Wilhelm Voll-merhaus, Wilhelm Maiworm und Ferdinand Graf. Die eigentliche Gründung scheint aber 1889 erfolgt zu sein, da zum Jahresende 1888 die Aufgaben einer Musikkapelle festgelegt und 1889 der erste Kapellmeister Eberhard Viegener gewählt wurden.
Die Aufgaben sind im Protokollbuch der Freiwilligen Feuerwehr wie folgt niedergeschrieben: "Die Feuerwehrkapelle verpflichtet sich, zu allen Hauptübungen. Ausflügen, Festlichkeiten frei zu spielen, sofern es die Geschäfte der Mitglieder erlauben. Dafür bekommt dieselbe für die Anschaffung von Noten etc. 15 Mark jährlich. Für jedes Konzert 20 Mark. Ferner wurde noch vereinbart, wenn sich die Feuerwehrkapelle innerhalb der ersten vier Jahre auflöst, so fallen die Instrumente und Noten der Feuerwehr zu. Nach vier Jahren fallen diese der Feuerwehrkapelle zu, wenn dieselbe bis dahin noch tätig ist. Unterschrieben von den Mitgliedern der Feuerwehrkapelle: Eberhard Viegener, Joseph Viegener, Carl Viegener, Wilhelm Maiworm, Ferdinand Graf, Wilhelm Volmerhaus". Im Jahre 1890 wurde die Kapelle kurzfristig aufgelöst, da Kapellmeister Eberhard Viegener die Leitung der sogenannten "Ohres" - Kapelle übernommen hatte. Doch schon am 6.9.1891 tritt die Kapelle bei der Fahnenweihe der freiwilligen Feuerwehr erneut an. Am 16.12.1891 schreibt das Sauerländische Volksblatt über die Generalversammlung der Feuerwehr: "Nach Beendigung der weiteren Vereinsangelegenheiten schloß der Hauptmann mit dem Wunsche, daß die Wehr wachsen und gedeihen möge und brachte ein dreifaches Hoch auf unseren Kaiser aus, in welches die Wehrleute begeistert einstimmten. Darauf wurde, begleitet von der Feuenvehr-Musikkapelle, "Heil Dir im Siegerkranz" stehend gesungen. Die Mitglieder blieben dann noch einige Stunden gemütlich zusammen, wobei die Kapelle durch Vorträge einiger Musikstücke zeigte, daß sie trotz ihres kurzen Bestehens schon recht Tüchtiges leisten kann". Als Nachfolger von Eberhard Viegener übernahm am 3.1.1893 Carl Viegener den Dirigentenstab. Unter seiner Leitung gab sich die Musikkapelle eigene Satzungen. Schon Ende des Jahres, am 17. Dezember 1893, gab Carl Viegener die Leitung der Kapelle wieder ab; neuer Dirigent wurde Rudolf Biecker.
1898 war für die Kapelle ein hartes Jahr. So bestritten die Musiker am 23.1. im Dirigentenstab Saal ein Konzert anläßlich der Kaiser-Geburtstags-Feier. Hinzu kam das Verbandsfest der freiwilligen Feuerwehren des Kreises Altena, an dem sich die Musikkapelle mit einem weiteren Konzert beteiligte. Am 18.12.1898 wurde Johann Epe Nachfolger von Rudolf Bieker im Dirigentenamt. Letzterer wurde zum Ehrendirigenten ernannt. Schon ein Jahr später - am 17.12.1899 - wurde Dirigent Johann Epe durch Wilhelm Sohler abgelöst. Leider kam es während seiner Amtszeit zu einigen Turbulenzen, die im März 1904 sogar zur Auflösung der Kapelle führten. Die Musiker erklärten sich schließlich bereit, unter der Leitung des bisherigen stellvertretenden Dirigenten Franz Bruse ihre Aktivitäten fortzusetzen. 1904 waren folgende Musiker Mitglied in der Feuerwehrkapelle:
Franz Bruse, Josef Hüttemann, Josef Voß, Rudolf Schere, Josef Kemmerich, Hugo Groß, Clemens Groß, Anton Henze, Ferdinand Maiworm, Franz Schnütgen, Heinrich Groß, Josef Dünnebacke, Franz Hüttemann und Robert Scherer jun. Auch Franz Bruse leitete nur kurz die Kapelle. Sein Nachfolger wurde Franz Hüttemann. Für die Folgezeit ist uns sehr wenig über die Kapelle überliefert. Offenbar fehlte es an einer geeigneten Führungskraft, die den Musikern neue Impulse hätte vermitteln können. So mögen die zahlreichen Dirigentenwechsel ein Anhaltspunkt für die schwierige Lage des Musikzuges sein, der zwar seine Aufgabe innerhalb der Wehr erfüllte, darüber hinaus aber nicht wesentlich an die Öffentlichkeit trat. In dieser Phase erlaubte der Bürgermeister Theodor Laymann der Kapelle "ein für allemal, mit Musik durch die Stadt zu ziehen". Im November 1924 begann für den Musikzug eine neue Ära: Musikmeister Josef Ante übernahm die Leitung. Unter seiner fachmännischen und umsichtigen Führung blühte das Musikkorps zusehends auf. Josef Ante schaffte einen Klangkörper, der weit über die Grenzen der engeren Heimat bekannt wurde.
Über das erste Konzert unter der Leitung von Josef Ante schrieb das Sauerländische Volksblatt in seiner 135. Ausgabe (17.11.1925): "Wer die seit Monaten fortschreitende Entwicklung der Feuerwehrkapelle verfolgt hat, konnte gestern eine gute Leistung erwarten. Diese Erwartung ging nicht nur in Erfüllung, sondern sie wurde derartig übertroffen, daß man nur mit Staunen beobachten konnte, wie tonrein und taktsicher das für ein Dilettantenorchester sehr schwierige Programm abgewickelt werden konnte .... Stürmischer Beifall war der wohlverdiente Lohn für die Kapelle und ihren zielbewußten Leiter". In den folgenden Jahren nun arbeitete die Kapelle zielstrebig an der Vervollkommnung ihres Klangs. Auftritte waren vorwiegend bei folgenden Veranstaltungen: Familienabende der Feuerwehr, Karneval, Volkstrauertag, Einweihung der "Rappelsburg" (1927), Oktoberfest, Konzert mit dem MGV "Cäcilia", Doppelkonzert mit dem MGV- "Sauerlandia", Jahreshauptversammlungen der Feuerwehr. Im Jahre 1931 feierte man mit großer Pracht das 40 jährige Bestehen der Kapelle. In der Schützenhalle führte man aus diesem Anlaß ein sogenanntes Massenkonzert mit 250 Musikern durch. Hierzu waren insgesamt acht Gastvereine und der heimische MGV "Cäcilia" angetreten. Nur acht Jahre später feierte man bereits das 50 jährige Bestehen der Kapelle! Die Begründung hierzu war folgende: 1931 benannte man als Gründer der Kapelle Karl Viegener, der diese 1891 ins Leben gerufen habe. Da dies aber offenbar nicht stimmte, korrigierte man 1939 diese Fassung und benannte nun Eberhard Viegener als Gründer, der die Kapelle 1889 begründete. Aus dieser Tatsache heraus feierte die Kapelle 1939 ihr 50. Stiftungsfest. Rechtzeitig zum Jubiläum hatte die Wehr 20 neue Uniformröcke angeschafft. Die folgenden Jahre des zweiten Weltkrieges waren für den Musikzug der freiwilligen Feuerwehr nicht einfach. Kein Jahr verging, ohne daß nicht eine Anzahl Musiker zur Wehrmacht eingezogen waren; daher lag auch die musikalische Leistung nicht auf dem erwünschten Niveau. Trotz der zahlreichen Handicaps versuchten die Musiker, ihren Musikzug aufrecht zu erhalten. So traten sie in den Jahren bis 1945 vornehmlich bei folgenden Veranstaltungen auf: Konzert zugunsten des Winterhilfswerkes (1941), Krieger-Kameradschaftsabend, Platzkonzert mit Gefallenenehrung, Platzkonzert zugunsten des Winterhilfswerkes (1943).
Nach Beendigung des Krieges versuchte Josef Ante, durch kontinuierliche Probenarbeit den Musikzug wieder auf den alten Leistungsstand zu bringen. Dies Vorhaben bereitete zwar große Schwierigkeiten, doch es gelang. Rechtzeitig zum 60-jährigen Bestehen im Juni 1949 war der Musikzug bereits wieder fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Stadt Attendorn.
Das Jubiläum wurde mit einem Festgottesdienst eingeleitet, dem ein Platzkonzert auf dem Klosterplatz folgte. Nachmittags gab die Kapelle ein Platzkonzert auf Burg Schnellenberg und spielte ausschließend zum Tanz auf. In den Sommermonaten der fünfziger Jahre erfreute der Musikzug die Bevölkerung immer wieder mit zahlreichen Platzkonzerten. So schrieb die Zeitung nach dem Pfingstkonzert 1950: "Das Musikkorps ist zu einem Klangkörper zusammengewachsen, der Beachtungverdient. Von der Präzision des Zusammenspiels und der sauberen Intonierung der Instrumentengruppen überzeugte das gut zusammengestellte Programm". Am 10.5.1958 und am 7.2.1960 gab der Musikzug in der alten Schützenhalle jeweils ein Wunschkonzert. "Von den 26 Musikern unter der Stabjühningvon Obermusikmeister Rudi Wurm wurden in bunter Folge volkstümliche Werke geboten. Besonders gefielen die Ouvertüre zu "Dichter und Bauer", ferner das Potpourri "Maske in Blau" und die "Petersburger Schlittenfahrt". Starken Beifall erntete Hermann Hilleke für sein Trompetensolo "Die Post im Walde". Auch den Solisten auf der Klarinette, Wiederstein und Kratzer, wurde herzlicher Beifall zuteil. Die Märsche "Alte Kameraden" und "Hoch- und Deutschmeister" fanden ebenfalls großen Anklang (WP, Mai 1958)." Das Jahr 1960 war geprägt von großen Jubiläen: 75 Jahre freiwillige Feuerwehr der Stadt Attendorn und 550 Jahre Schützengesellschaft Attendorn. Der Musikzug hatte rechtzeitig zu diesen Festen eine lobenswerte Initiative ergriffen, indem man 1959 einen Spielmannszug gründete, der aus 12 Musikern bestand. Eine große Ehre wurde dem Musikzug zuteil, anläßlich des Jubiläumsschützenfestes das Konzert am Samstagabend zu bestreiten. Fragt man die älteren Musiker, so gelten die sechziger Jahre als Höhepunkt in der musikalischen Leistung. Blättert man in den Veranstaltungskalendern jener Jahre, so findet man das Wunschkonzert 1963 in der Wescheder Schützenhalle ebenso wie die gemeinsamen Fahrten 1963 und 1965 mit dem MGV "Cäcilia" Attendorn nach Salzburg und Innsbruck.
Leider wurde Hauptmusikzugführer Rudi Wurm aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, sein Amt im März 1969 niederzulegen. Bis zum Jahresende wurde erdurch Rudolf Trautmann aus Kreuztal vertreten. Von Januar 1970 bis Mitte 1975 übernahm nochmals Rudi Wurm die Stabführung. In diese Zeit fällt das unvergessene Wunschkonzert am 6. Oktober 1973, welches der Musikzug in der neuen Attendorner Stadthalle präsentierte. In der Mitte des Jahres 1975 trat Rudi Wurm aus gesundheitlichen Gründen endgültig als Dirigent zurück. Nach einer Epoche, die zu den erfolgreichsten des Musikzuges zu rechnen ist, geschah dieser Rücktritt zu einem Zeitpunkt, als ein geeigneter Nachfolger nicht zur Verfügung stand. So waren die Musiker gezwungen, die nun folgenden zwei Jahre durch eigene Kräfte im Dirigentenamt zu überbrücken. Schließlich gelang es, zum 1. Januar 1978 Josef Eittinger als neuen Dirigenten zu verpflichten. Er sah sich zunächst vor die Aufgabe gestellt, den Musikzug wieder neu zu formieren und vor allem Jugendliche für die inzwischen sehr stark dezimierte Musikerzahl heranzubilden. Letzteres Problem konnte gerade in jüngster Zeit dadurch gelöst werden, daß der Musikzug in Gemeinschaftsarbeit mit der Musikschule Attendorn-Finnentrop etliche Jugendliche integrieren konnte, die solide Grundvoraussetzungen erfüllten.
Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass Ende der vierziger Jahre in Attendorn eine über den Kreis Olpe hinaus bekannte private Blasmusik-Tanzkapelle bestand, die von Hermann Hilleke gegründet und geleitet wurde.
Anfang der fünfziger Jahre schloß sich diese Kapelle dem Musikzug an und bildete so den Grundstock für das Wiederaufblühen des letztgenannten. Aus der Tradition der "Kleinen Besetzung" heraus wurde 1982 unter der Leitung von Andreas Haase eine "Big-Band" gegründet, die seitdem große Erfolge verbuchen konnte. Die Leitung dieser Band lag zu dieser Zeit in den Händen von Ludger Schulte.
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